Christa Manz-Dewald


Auf einem Blatt schrieb die Frau
-blasse Bleistiftstriche, die Schrift flüchtig,
als solle nicht geredet, nichts erklärt,
schon gar nichts behauptet,
als dürfe nur geflüstert werden-:
"Das Meer entwickelt meine Bilder"

aus: La Mer et la mère
sondern als Medium reiner Licht- und Farbwerte, die Impulse, Bewegungen und Wechselwirkungen offenbaren. Selten setzt die Malerin feste Grenzen oder Konturen, denn sie will keine konkreten Objekte umreißen, kein statisches Sein, sondern lebendiges Werden zeigen.
Sie setzt eine reduzierte Palette ein, setzt auf die Suggestivwirkung weniger Grundtöne, die sie in Beziehung treten lässt: Gelb-Rot-Braun-Schwarz-Weiß bilden die Pole des abstrakten Farbraums, zwischen denen sich die Skalen unbegrenzter Nuancierungen, Überlagerungen und Vermischungen entfalten. Eine Besonderheit dieses Werkes liegt in der Kombination von Aquarellfarbe und Tusche, zweier polarer Farbstoffe, die eine immanente Spannung erzeugen: in der Kontrastierung von Bunt- und Schwarzton, in dem Gegensatz lichter Transparenz und undurchsichtiger Verdichtung. Während die farbige Fläche eine raumhafte Sphäre, eine fühlbare Stimmung, einen verströmenden Klang bildet, setzt Tusche momenthafte Akzente als Ausdruck konzentrierter Bewegung. Die Synthese beider Farbsubstanzen variiert in Format, Technik und Konzept. In Hommage a Leoš Janáček gehen sie malerische Verbindungen ein, im monumentalen Bilderzyklus Entre posieren Tuschelineamente vor rot-gelbem Grund, und die kalligraphischen Arbeiten verabsolutieren Bildzeichen,